Welche EU-Drohnenführerscheine gibt es?

Auch wenn es bisher noch keine Stellen gibt, bei denen Prüfungen zu den neuen EU-Führerscheinen abgelegt werden können, stellt dieser Artikel den neuen Rahmen für die EU-Drohnenführerscheine vor. Ergänzende neue Informationen von den zuständigen Behörden werden selbstverständlich eingepflegt.  

Mit der Umsetzung der EU-Verordnungen für Drohnen wird der deutsche Kenntnisnachweis (umgangssprachlich: "Drohnenführerschein") durch neue Kompetenznachweise ersetzt. Gab es bisher in Deutschland für den gewerblichen Betrieb von Drohnen nur einen Drohnenführerschein, gibt es durch das EU-Recht nun verschiedene Kompetenznachweise für Steuerer von Drohnen. Die beiden am häufigsten verwendeten Führerscheine sind der EU-Kompetenznachweis A1/A3 ("kleiner EU-Drohnenführerschein") und das EU-Fernpilotenzeugnis A2 ("großer EU-Drohnenführerschein").

Sowohl der EU-Kompetenznachweis A1/A3 als auch das EU-Fernpiloten-Zeugnis A2 sind in allen Mitgliedstaaten der EU sowie in Norwegen, Island und der Schweiz gültig. Eine Unterscheidung in private und/oder gewerbliche Nutzung ist dabei nicht vorgesehen.

Kann der Kenntnisnachweis in die EU-Führerscheine umgewandelt werden?

Da es nach EU-Recht nicht mehr nur einen Drohnenführerschein gibt, kann diese Frage nicht eindeutig mit JA oder NEIN beantwortet werden.

Ein nach § 21a Absatz 4 Satz 3 Nummer 2 LuftVO bei einer anerkannten Stelle erworbener Kenntnisnachweis kann bis zum 31.12.2021 beim Luftfahrt-Bundesamt ohne erneute Prüfung in den kleinen Kompetenznachweis A1/A3 umgewandelt werden. Die ursprüngliche Gültigkeitsdauer von 5 Jahren bleibt bei der Umwandlung unverändert bestehen.

Für die Umwandlung wird das LBA ein entsprechendes Formular auf der eigenen Homepage bereitstellen. Die Kosten für die Umschreibung werden voraussichtlich höher sein als die Prüfungsgebühr für eine neue Online-Prüfung zur EU-Kompetenzbescheinigung A1/A3 (s.u.).

Eine Umwandlung des Kenntnisnachweis in das Fernpilotenzeugnis A2 ist nicht möglich.

Nach altem deutschen Recht konnte ein Drohnenführerschein auch durch die Einweisung über einen Luft- oder Modellsportverband (§ 21a Absatz 4 Satz 3 Nummer 3 LuftVO) erlangt werden. Dies konnte z.B. über den Deutschen Modellflieger Verband e.V. (DMFV) oder den Deutschen Aero Club e.V. (DAeC) erfolgen. Nach aktuellem Kenntnisstand ist hier keine Umwandlung in einen EU-Drohnenführerschein möglich.

Das gleiche gilt für Inhaber einer aktiven Privatpilotenlizenz. Auch sie benötigen ab dem 01.01.2021 einen Drohnenführerschein. Die Pilotenlizenz ist nach EU-Recht nicht mehr ausreichend, um eine Drohne ab 250g zu steuern.

Wer braucht die Drohnenführerscheine der EU?

Nach altem deutschem Recht war diese Frage einfach zu beantworten: Jeder Betreiber einer Drohne > 2kg benötigte den Drohnenführerschein. Das EU-Recht sieht die Pflicht zum Drohnenführerschein bereits ab 250g vor. Da es jedoch verschiedene Übergangsfristen gibt, ist eine Antwort nicht pauschal möglich und hängt zudem vom Gewicht der Drohne ab.

Für Bestandsdrohnen, die bei Markteinführung über keine CE-Klassifizierung von C0 bis C4 verfügten, gelten in der Offenen Kategorie folgende Regeln:

< 250g
Sofern die horizontale Höchstgeschwindigkeit < 68,4 km/h beträgt, wird für den Betrieb analog zur Klasse C0 keine Pilotenqualifikation gefordert. Weder das Fernpilotenzeugnis noch ein anderer Kompetenznachweis sind erforderlich.
250g bis < 500g
Bis zum 01.01.2023 ist für den Betrieb keinerlei EU-Kompetenznachweis erforderlich. Nach der Übergangsfrist wird der kleine EU-Kompetenznachweis A1/A3 benötigt.
500g bis < 2kg
Für den Betrieb analog der Klasse C4 ist der kleine EU-Kompetenznachweis A1/A3 erforderlich. In anderen Klassen der Offenen Kategorie darf die Drohne bis zum 01.01.2023 mit dem Fernpilotenzeugnis A2 betrieben werden.
2kg bis < 25kg
Für den Betrieb ist der kleine EU-Kompetenznachweis A1/A3 erforderlich. Die Drohne darf in der Offenen Kategorie nur analog der Klasse C4 betrieben werden, ansonsten sind die Prüfungen der Speziellen Kategorie zu absolvieren.
Drohnen > 25kg dürfen nicht in der Offenen Kategorie betrieben werden. Neue Drohnen mit bestehender CE-Klassifizierung con C0 bis C4 benötigen die Fernpiloten-Kompetenz, wie in unserem Überblick zur Offenen Kategorie dargestellt.

Was ist das Fernpilotenzeugnis A2?

Das Fernpilotenzeugnis ist ein Zeugnis über die Kompetenz von Fernpiloten nach Punkt UAS.OPEN.030 der EU-Verordnung 2019/947. Als Fernpiloten werden neudeutsch übrigens die Steuerer von Drohnen bezeichnet.

Da das Fernpilotenzeugnis eine Ergänzung zum kleinen EU-Kompetenznachweis A1/A3 (s.u.) darstellt, wird es auch als "großer EU-Drohnenführerschein" bezeichnet, obwohl der Prüfungsumfang geringer als beim kleinen Schein ist.

Wie bekomme ich das Fernpilotenzeugnis?

Beantragt werden kann das Fernpilotenzeugnis beim Luftfahrt-Bundesamt (LBA). Hierfür muss bei einer vom LBA anerkannten Prüfstelle eine Theorieprüfung abgelegt werden. In diesem theoretischen Examen werden 3 Fachgebiete durch insgesamt 30 Multiple-Choice-Fragen geprüft.

Dieser "große EU-Drohnenführerschein" gilt nicht als Alternative, sondern als Erweiterung zum "kleinen EU-Drohnenführerschein". Um das Fernpilotenzeugnis beim LBA beantragen zu können, muss daher zuvor der EU-Kompetenznachweis A1/A3 bestanden worden sein (s.u.).

Zusätzlich benötigt der Prüfling eine Selbsterklärung, ein praktisches Selbststudium der Drohne und ihrer Betriebsbedingungen durchgeführt zu haben.

Mit diesen Unterlagen (Bestätigung der bestandenen Prüfungen A2 sowie A1/A3 und der Selbsterklärung) kann der Fernpilot das Fernpilotenzeugnis beim Luftfahrt-Bundesamt beantragen. Wie lange dieser Prozess dauern wird, ist aktuell noch nicht abzusehen.


Welche Inhalte werden für das Fernpilotenzeugnis abgefragt?

Die konkreten Themengebiete, die in der Prüfung zum Fernpilotenzeugnis abgefragt werden, wurden vom Luftfahrtbundesamt bereits im Juli 2020 veröffentlicht. Demnach sind in den drei Fächern Meteorologie, Flugleistung sowie technische und betriebliche Minderung von Risiken am Boden die folgenden Inhalte prüfungsrelevant:
Meteorologie
(6 Fragen)
  • Wettereinflüsse auf den Betrieb einer Drohne
    (Wind, Temperatur, Sichtweite, Luftdichte)
  • Einholen von Wettervorhersagen
Flugleistung
(11 Fragen)
  • Typischer Betriebsbereich von unbemannten Luftfahrzeugen
  • Masse, Gleichgewicht und Schwerpunktlage
  • Sicherung der Nutzlast
  • Batterien / Akkus
Risiko-Minderung am Boden
(13 Fragen)
  • Funktionen im Langsamflugmodus
  • Einschätzung der Entfernung zu Menschen
  • 1:1 Regel

Wie sieht das Fernpilotenzeugnis aus?

Das Fernpilotenzeugnis ist kein klassisches Schulzeugnis mit Noten, sondern eine Bestätigung über die oben beschriebenen erbrachten Leistungen. Sie wird nicht als Scheckkarte oder in Papierform ausgestellt, sondern als digitales Dokument. Bisher gibt es für das Fernpilotenzeugnis nur ein Muster der EU als Vorlage für die Mitgliedsstaaten. Demnach könnte das Fernpilotenzeugnis in Deutschland ungefähr so aussehen:

Fernpilotenzeugnis

Was ist der EU-Kompetenznachweis A1/A3 für Drohnen?

Der EU-Kompetenznachweis A1/A3 ist der "kleine EU-Drohnenführerschein", da er bereits beim Betrieb von Drohnen ab 250g benötigt wird. Anders als die Prüfungen zum Fernpilotenzeugnis werden die Prüfungen zum EU-Kompetenznachweis nicht von anerkannten Stellen, sondern direkt vom Luftfahrt-Bundesamt (LBA) durchgeführt.

Wie bekomme ich den EU-Kompetenznachweis A1/A3 für Drohnen?

Die Prüfung zum EU-Kompetenznachweis A1/A3 für Fernpiloten wird direkt vom Luftfahrt-Bundesamt (LBA) abgenommen. Hierzu wird das LBA ein Online-Training mit abschließender Online-Prüfung anbieten. Die Kosten werden voraussichtlich bei 20€ bis 40€ liegen.

Die Prüfung kann beliebig oft wiederholt werden, sollten nicht mindestens 75% der Fragen richtig beantwortet worden sein. Auch eine Prüfung der Identität des Prüflings findet nicht statt.  

Die Online-Prüfung besteht aus 40 Multiple-Choice-Fragen, mit denen insgesamt 9 Fachgebiete abgefragt werden: Flugsicherheit, Luftraumbeschränkungen, Luftrecht, menschliches Leistungsvermögen und dessen Grenzen, Betriebsverfahren, allgemeine Kenntnisse zu UAS, Schutz der Privatsphäre und der Daten, Versicherung und Luftsicherheit.


Nach bestandener Prüfung wird dem Prüfling bestätigt, dass er über eine ausreichende Kompetenz für das Steuern von Drohnen mit einem relativ niedrigen Gefährdungspotential verfügt. Auch diese Bestätigung wird nicht als Scheckkarte oder in Papierform ausgestellt, sondern als digitales Dokument.

Online-Training und Online-Prüfung sollen ab Dezember 2020 vom LBA bereitgestellt werden.

Wird mein Kenntnisnachweis in den EU-Kompetenznachweis A1/A3 umgewandelt?

Ja, ein nach § 21a Absatz 4 Satz 3 Nummer 2 LuftVO bei einer anerkannten Stelle erworbener Kenntnisnachweis kann bis zum 31.12.2021 beim Luftfahrt-Bundesamt ohne erneute Prüfung in den kleinen EU-Kompetenznachweis A1/A3 umgewandelt werden (zu Details s.o.).

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